Ghör-Transkript — Level B2
Jedes Segmänt: Dialäkt näbe em Hochdüütsch. Bitte i de ✏️ Korrektur-Spalte markiere, wo de Dialäkt oder d Übersetzig nöd stimmt.
Teil 1/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 1/8 — Teil 1 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | SRF 3 Fokus mit Judith Wernli. Wann isch ein Mann ein Mann? Diese Frage händ mir 1984 gestellt und sie isch bis heute nöd richtig beantwortet. | SRF 3 Fokus mit Judith Wernli. Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage haben wir 1984 gestellt und sie ist bis heute nicht richtig beantwortet. | |
| 2 | Mein Fokus-Gast isch Kambiz Nouri. Er isch Co-Leiter der Fachstelle OBOY, er git Workshops an Schulen, spricht mit jungen Männern über Männlichkeit, Grenzen, Gefühle oder Verantwortung und macht au Täterarbeit mit Männern. | Mein Fokus-Gast ist Kambiz Nouri. Er ist Co-Leiter der Fachstelle OBOY, er gibt Workshops an Schulen, spricht mit jungen Männern über Männlichkeit, Grenzen, Gefühle oder Verantwortung und macht auch Täterarbeit mit Männern. | |
| 3 | Kambiz Nouri, du arbeitest mit jungen Männern. Wenn er diese Frage von Grönemeyer ihnen stellen würde, wann isch für sie ein Mann ein Mann? | Kambiz Nouri, du arbeitest mit jungen Männern. Wenn er diese Frage von Grönemeyer ihnen stellen würde, wann ist für sie ein Mann ein Mann? | |
| 4 | Das isch eine sehr gute Frage. Die stellen wir nämlich au in unseren Workshops. Mit welchen Erwartungen sind sie ufgewachsen? | Das ist eine sehr gute Frage. Die stellen wir nämlich auch in unseren Workshops. Mit welchen Erwartungen sind sie aufgewachsen? | |
| 5 | Und was händ ihr selber an Erwartungen au ins selber als Männer? Und das isch schon noch recht erschreckend, das hätt jetzt noch nie anders usgseh. | Und was haben ihr selber an Erwartungen auch ins selber als Männer? Und das ist schon noch recht erschreckend, das hätte jetzt noch nie anders ausgesehen. | |
| 6 | Und zwar sind einfach die klassischen Männlichkeitsanforderungen, die jetzt der Grönemeyer au gesungen hat, ein Mann muss dominant si, ein Mann muss den Status ha, ein Mann muss viel Geld verdiene und ein Mann muss die Familie beschütze. | Und zwar sind einfach die klassischen Männlichkeitsanforderungen, die jetzt der Grönemeyer auch gesungen hat, ein Mann muss dominant sein, ein Mann muss den Status haben, ein Mann muss viel Geld verdienen und ein Mann muss die Familie beschützen. | |
| 7 | Also das isch immer noch sehr das gängige Bild, was die Jugendlichen uns zurückmelden. Überrascht dich das? Oder hat dich das am Anfang überrascht? | Also das ist immer noch sehr das gängige Bild, was die Jugendlichen uns zurückmelden. Überrascht dich das? Oder hat dich das am Anfang überrascht? | |
| 8 | Nein, das überrascht mich nöd. Nämlich, weil, also erstens bin ich selber mit diesen Glaubenssätzen ufgewachsen und zweitens, das isch nach wie vor der Mainstream. | Nein, das überrascht mich nicht. Nämlich, weil, also erstens bin ich selber mit diesen Glaubenssätzen aufgewachsen und zweitens, das ist nach wie vor der Mainstream. | |
| 9 | Das isch das, was uns glauben gmacht wird. Ein Mann isch höher, ein Mann muss sich am Morgen, wenn er ufsteht, sporten, dass er alles unter ein Dach kriegt. | Das ist das, was uns glauben gemacht wird. Ein Mann ist höher, ein Mann muss sich am Morgen, wenn er aufsteht, sporten, dass er alles unter einen Dach kriegt. | |
| 10 | Das heisst, er muss am besten au noch Sport mache, er muss sehr fleissig si und er muss vor allem all das gleichzeitig chönne, indem er au seine Emotionen runterdrückt. | Das heißt, er muss am besten auch noch Sport machen, er muss sehr fleißig sein und er muss vor allem all das gleichzeitig können, indem er auch seine Emotionen runterdrückt. | |
| 11 | Das heisst, er darf nöd traurig si, weil das braucht ja Energie. Er darf nöd verletzt si, er muss immer, immer, immer Gas gebe. | Das heißt, er darf nicht traurig sein, weil das braucht ja Energie. Er darf nicht verletzt sein, er muss immer, immer, immer Gas geben. | |
| 12 | Und darum überrascht es mich gar nöd, so wie ich selber au ufgewachsen bin. | Und darum überrascht es mich gar nicht, so wie ich selber auch aufgewachsen bin. |
Teil 2/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 2/8 — Teil 2 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Und so konnte ich dann auch eine Brücke schlagen. Hey, das isch auf dem gleichen Kontinuum. | Und so konnte ich dann auch eine Brücke schlagen. Hey, das ist auf dem gleichen Kontinuum. | |
| 2 | Ich bin von Rassismus betroffen, ich bin aber auch ein Mann. Das heisst, Männlichkeit spielt auch eine Rolle. | Ich bin von Rassismus betroffen, ich bin aber auch ein Mann. Das heißt, Männlichkeit spielt auch eine Rolle. | |
| 3 | Und ich drücke auch auf die anderen, nämlich auf die Frauen und auf andere Männer, dass ich in dieser imaginären Ranghöhe weiter raufkomme. | Und ich drücke auch auf die anderen, nämlich auf die Frauen und auf andere Männer, dass ich in dieser imaginären Ranghöhe weiter hochkomme. | |
| 4 | Und auch sicher, ich hatte das Glück, dass ich mega tolle Frauen in meinem Umfeld hatte, also mein Mami, meine Schwester und viele, meine damalige Partnerin und viele Freundinnen, die mit mir ins Gespräch gegangen sind, die Geduld hatten. | Und auch sicher, ich hatte das Glück, dass ich mega tolle Frauen in meinem Umfeld hatte, also meine Mama, meine Schwester und viele, meine damalige Partnerin und viele Freundinnen, die mit mir ins Gespräch gegangen sind, die Geduld hatten. | |
| 5 | Ich war definitiv auch einer von diesen Männern, der grenzüberschreitend war. | Ich war definitiv auch einer von diesen Männern, der grenzüberschreitend war. | |
| 6 | Und diese Auseinandersetzung hat mich dazu gebracht, dann mit Schach aufzuhören und zu merken, hey, das tut mir nicht gut. | Und diese Auseinandersetzung hat mich dazu gebracht, dann mit Schach aufzuhören und zu merken, hey, das tut mir nicht gut. | |
| 7 | Auch merken, hey, Wirtschaft studiere ich eigentlich nicht, wie ich das will, sondern weil ich das Gefühl habe, das sind die Erwartungen. | Auch merken, hey, Wirtschaft studiere ich eigentlich nicht, wie ich das will, sondern weil ich das Gefühl habe, das sind die Erwartungen. | |
| 8 | Ich möchte eigentlich viel lieber mit Menschen arbeiten und möchte eine Verantwortung übernehmen. | Ich möchte eigentlich viel lieber mit Menschen arbeiten und möchte eine Verantwortung übernehmen. | |
| 9 | Und zwar eine Verantwortung auch aus der Perspektive, dass ich ein Mann bin. | Und zwar eine Verantwortung auch aus der Perspektive, dass ich ein Mann bin. | |
| 10 | Ich bin einer von denen, die Gewalt angewendet hat. | Ich bin einer von denen, die Gewalt angewendet hat. | |
| 11 | Also was heisst, du hast Gewalt angewendet? Hey, ich war sicher auch derjenige, der sexistische Sprüche gemacht hat. | Also was heißt, du hast Gewalt angewendet? Hey, ich war sicher auch derjenige, der sexistische Sprüche gemacht hat. | |
| 12 | Ich war sicher auch derjenige, wenn meine Freunde solche Sprüche gebracht haben, oder wenn eine im Ausgang jemanden betatscht hat, ich bin nicht dazwischen. | Ich war sicher auch derjenige, wenn meine Freunde solche Sprüche gebracht haben, oder wenn eine im Ausgang jemanden betatscht hat, ich bin nicht dazwischen. | |
| 13 | Und das sagt, Agota Lavoyer sagt das mega gut. | Und das sagt, Agota Lavoyer sagt das mega gut. | |
| 14 | Sie sagt, der Mann, der einen Spruch klopft, einen sexistischen Spruch, der wächst auf dem gleichen Nährboden auf wie der Mann, der schwere Gewalt anwendet. | Sie sagt, der Mann, der einen Spruch klopft, einen sexistischen Spruch, der wächst auf dem gleichen Nährboden auf wie der Mann, der schwere Gewalt anwendet. | |
| 15 | Und solange der Alltagssexismus okay ist, solange wir Männer uns nicht dagegen einsetzen, wird Gewalt nicht verhindert. | Und solange der Alltagssexismus okay ist, solange wir Männer uns nicht dagegen einsetzen, wird Gewalt nicht verhindert. | |
| 16 | Also wir dürfen nicht nur an die Spitze schauen, wo die schwere Gewalt angewendet wird, wir müssen wirklich auf die Basis unserer Gesellschaft anschauen. | Also wir dürfen nicht nur an die Spitze schauen, wo die schwere Gewalt angewendet wird, wir müssen wirklich auf die Basis unserer Gesellschaft schauen. |
Teil 3/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 3/8 — Teil 3 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Hey ja, also der Hauptauslöser war so, dass ich damals in einer sozialpädagogischen Institution gearbeitet habe. | Hey ja, also der Hauptauslöser war, dass ich damals in einer sozialpädagogischen Institution gearbeitet habe. | |
| 2 | Und Gewalt war an der Tagesordnung. | Und Gewalt war an der Tagesordnung. | |
| 3 | Und dort gab es damals einen schweren Gewaltdelikt. | Und dort gab es damals ein schweres Gewaltdelikt. | |
| 4 | Mehrere Jugendliche kamen in U-Haft, ein Jugendlicher kam ins Spital, war mehrere Wochen im Spital. | Mehrere Jugendliche kamen in Untersuchungshaft, ein Jugendlicher kam ins Krankenhaus, war mehrere Wochen im Krankenhaus. | |
| 5 | Und was dort so klar war, ist, man schafft reaktiv. | Und was dort so klar war, ist, man handelt reaktiv. | |
| 6 | Das heisst, es knallt und dann fängt man an, wie die Arbeit aufzunehmen, was ist da passiert. | Das heißt, es knallt und dann fängt man an, die Arbeit aufzunehmen, was ist da passiert. | |
| 7 | Und für mich war es so, hey, das passiert die ganze Zeit. | Und für mich war es so, hey, das passiert die ganze Zeit. | |
| 8 | Wir müssen da anfangen, hinzuschauen. | Wir müssen da anfangen, hinzuschauen. | |
| 9 | Und habe mich dann auch angefangen, mit einem Kollegen zusammen damals, der mit mir zusammen studiert hat, mehr mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. | Und habe mich dann auch angefangen, mit einem Kollegen zusammen damals, der mit mir zusammen studiert hat, mehr mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. | |
| 10 | Und merken, da gibt es so viele tolle, vor allem haben natürlich Frauen, die darüber geschrieben haben. | Und merken, da gibt es so viele tolle, vor allem haben natürlich Frauen darüber geschrieben. | |
| 11 | Und Statistiken sind vernichtend. | Und Statistiken sind vernichtend. | |
| 12 | Und zwar, die zeigen ganz klar, Gewalt geht vor allem von Männern aus. | Und zwar zeigen sie ganz klar, dass Gewalt vor allem von Männern ausgeht. | |
| 13 | Nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen. | Nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. | |
| 14 | Also das heisst, wir Männer, wir begehen auch mehr Suizide. | Also das heißt, wir Männer begehen auch mehr Suizide. | |
| 15 | Wir sterben früher. | Wir sterben früher. | |
| 16 | Wir, ja, genau, ich habe es vorher gesagt, wir verknümmert richtig emotional, dass wir die Gewalt gegen aussen anwenden können, aber auch gegen innen. | Wir, ja, genau, ich habe es vorher gesagt, wir verkümmern richtig emotional, sodass wir die Gewalt nach außen anwenden können, aber auch nach innen. | |
| 17 | Schauen wir an, wieso sind 91% von unseren Gefängnissen von Männern befüllt. | Schauen wir an, wieso 91% unserer Gefängnisse von Männern befüllt sind. | |
| 18 | Das muss einen Zusammenhang haben mit unserem Verhalten. | Das muss einen Zusammenhang mit unserem Verhalten haben. | |
| 19 | Und so habe ich angefangen, noch vertiefter mit dem auseinanderzusetzen. | Und so habe ich angefangen, noch vertiefter mich damit auseinanderzusetzen. | |
| 20 | Und eben, unter anderem machst du Täterarbeit, auf das möchte ich unbedingt noch kommen. | Und eben, unter anderem machst du Täterarbeit, darauf möchte ich unbedingt noch kommen. | |
| 21 | Aber eben mit euren Kursen auch zu Jugendlichen. | Aber eben auch mit euren Kursen zu Jugendlichen. | |
| 22 | Was beschäftigen denn die jungen Männer von heute am meisten? | Was beschäftigt denn die jungen Männer von heute am meisten? | |
| 23 | Ich glaube, nicht anders als damals, als Herbert Grönemeyer das Lied gesungen hat. | Ich glaube, nicht anders als damals, als Herbert Grönemeyer das Lied gesungen hat. | |
| 24 | Und auch nicht anders als in unserer Jugend. | Und auch nicht anders als in unserer Jugend. | |
| 25 | Und zwar, sie suchen auch Orientierung und sie suchen Zugehörigkeit. | Und zwar suchen sie auch Orientierung und Zugehörigkeit. | |
| 26 | Sie möchten gesehen werden, verlernen aber die Instrumente, gesehen zu werden. | Sie möchten gesehen werden, verlernen aber die Instrumente, um gesehen zu werden. | |
| 27 | Und zwar gesehen zu werden über wer sie sind, mit allem, was sie haben. | Und zwar gesehen zu werden für das, was sie sind, mit allem, was sie haben. | |
| 28 | Sie haben das Gefühl, sie werden nur gesehen, wenn sie ja dem Männerbild, dem Erfolgreichen, dem Reichen, dem mit der Familie ernähren können. | Sie haben das Gefühl, sie werden nur gesehen, wenn sie dem Männerbild, dem Erfolgreichen, dem Reichen, dem, der die Familie ernähren kann, entsprechen. | |
| 29 | Der, der sich mit Dominanz durchsetzt, erst dann sind sie ein Mann. | Der, der sich mit Dominanz durchsetzt, erst dann sind sie ein Mann. | |
| 30 | Und auch da ist es mega wichtig, um zu sagen, nicht jeder Mann ist genau gleich. | Und auch da ist es sehr wichtig zu sagen, nicht jeder Mann ist genau gleich. | |
| 31 | Aber es geht um die männliche Sozialisierung. | Aber es geht um die männliche Sozialisierung. | |
| 32 | Und das kommen wir alle mit durch. | Und das erleben wir alle. | |
| 33 | Es gibt ein Spektrum dort. | Es gibt ein Spektrum dort. | |
| 34 | Der eine wächst anders auf. | Der eine wächst anders auf. | |
| 35 | Wie ich vorher gesagt habe, ich habe einen migrantischen Background. | Wie ich vorher gesagt habe, ich habe einen migrantischen Hintergrund. | |
| 36 | Ich wachse mit einer protestierenden Männlichkeit auf. | Ich wachse mit einer protestierenden Männlichkeit auf. | |
| 37 | Andere wachsen auf in einem Haushalt, wo das vielleicht noch mehr Thema war. | Andere wachsen in einem Haushalt auf, wo das vielleicht noch mehr Thema war. | |
| 38 | Aber wir erleben es alle. | Aber wir erleben es alle. | |
| 39 | Und wir stehen alle unter dem Druck von diesen Bildern. | Und wir stehen alle unter dem Druck dieser Bilder. | |
| 40 | Du hast vorhin gesagt, sagt Grönemeyer, der singt ja auch, Männer sind einsam, streitig. | Du hast vorhin gesagt, Grönemeyer sagt ja auch, Männer sind einsam, streitig. | |
| 41 | Wie fest nimmst denn du diese Einsamkeit, oder auch den Scham bei den Männern wahr? | Wie stark nimmst du diese Einsamkeit oder auch die Scham bei den Männern wahr? | |
| 42 | Ist es immer noch wie vor 40 Jahren, als das Lied aufgenommen wurde? | Ist es immer noch wie vor 40 Jahren, als das Lied aufgenommen wurde? | |
| 43 | Oder wie erlebst du das? | Oder wie erlebst du das? | |
| 44 | Also, was die Veränderung ist, wenn sich etwas verändert hat, ist das die Verunsicherung. | Also, was sich verändert hat, ist die Verunsicherung. | |
| 45 | Also damals in den 84ern, kann ich mir vorstellen, haben Judith, du und ich nicht im SRF-Studio zusammen uns austauschen können über das Thema Männlichkeit. | Also damals in den 80ern, kann ich mir vorstellen, haben Judith, du und ich nicht im SRF-Studio zusammen über das Thema Männlichkeit austauschen können. | |
| 46 | Du eine Frau, ich ein ehemals geflüchteter afghanischer Mann, uns auf einmal im Schweizer Fernsehen über so ein Thema austauschen. | Du eine Frau, ich ein ehemals geflüchteter afghanischer Mann, und wir tauschen uns auf einmal im Schweizer Fernsehen über so ein Thema aus. | |
| 47 | Das heisst, es gibt neue Räume, es gibt neue Alternativen. | Das heißt, es gibt neue Räume, es gibt neue Alternativen. | |
| 48 | Das hat sich verändert. | Das hat sich verändert. | |
| 49 | Aber die Bilder, die Anforderungen an einen Mann, die haben sich nicht verändert. | Aber die Bilder, die Anforderungen an einen Mann, haben sich nicht verändert. | |
| 50 | Wir finden überall, wenn du das TikTok aufmachst, wenn du den Fernseher anlässt, wenn du über die Weltpolitik anschaust, sind nach wie vor die dominanten Bilder von einem Mann, wie er zu sein hat, und zwar Status, Geld, Dominanz. | Wir finden überall, wenn du TikTok öffnest, wenn du den Fernseher anlässt, wenn du dir die Weltpolitik anschaust, sind nach wie vor die dominanten Bilder davon, wie ein Mann zu sein hat, und zwar Status, Geld, Dominanz. | |
| 51 | Und das macht uns Männer einsam, weil wenn man nur die ganze Zeit dorthin schaut, werden wir nicht gegen innen schauen, werden wir unsere Bedürfnisse nicht mitteilen können. | Und das macht uns Männer einsam, denn wenn man nur die ganze Zeit dorthin schaut, wird man nicht nach innen schauen, wird man seine Bedürfnisse nicht mitteilen können. | |
| 52 | Und das ist das, was wir mega fest auch bemerken in unseren Workshops mit den Jugendlichen. | Und das ist das, was wir sehr stark auch in unseren Workshops mit den Jugendlichen bemerken. | |
| 53 | Sie teilen uns mega häufig mit, dass sie das erste Mal mit Männern, aber auch vor allem mit Erwachsenen gearbeitet haben über sie, über diese Themen zu sprechen, dass es ihnen auch mal auch nicht gut geht, dass sie auch Stress haben, dass sie den Druck haben. | Sie teilen uns sehr häufig mit, dass sie das erste Mal mit Männern, aber auch vor allem mit Erwachsenen über diese Themen sprechen, dass es ihnen auch mal nicht gut geht, dass sie Stress haben, dass sie Druck haben. | |
| 54 | Sie sind häufig vor Übergängen in die Lehre, ins Gymi, schaffe ich es, schaffe ich es nicht. | Sie stehen häufig vor Übergängen in die Lehre, ins Gymnasium, schaffe ich es, schaffe ich es nicht. | |
| 55 | Dann kommt die ganze Frage rund um Sexualität, rund um, hey, ich möchte auch eine Partnerin, einen Partner. | Dann kommt die ganze Frage rund um Sexualität, rund um, hey, ich möchte auch eine Partnerin, einen Partner. | |
| 56 | Und sie behalten das alles für sich, weil sie die Maske anhaben. | Und sie behalten das alles für sich, weil sie die Maske aufhaben. | |
| 57 | Sie dürfen ja nicht Hilfe holen, sie dürfen ja nicht Unterstützung holen. | Sie dürfen ja keine Hilfe holen, sie dürfen ja keine Unterstützung holen. | |
| 58 | Das heisst, das, was sie uns auch zurückmelden, und das ist das, an was ich immer zurückdenke, sie sind definitiv einsam und sie haben sehr viel Scham, auch diese Einsamkeit mitzuteilen. | Das heißt, das, was sie uns auch zurückmelden, und das ist das, an was ich immer zurückdenke, sie sind definitiv einsam und haben sehr viel Scham, auch diese Einsamkeit mitzuteilen. | |
| 59 | Und was braucht es denn? | Und was braucht es denn? | |
| 60 | Also die haben ja auch Freundschaften untereinander. | Also sie haben ja auch Freundschaften untereinander. | |
| 61 | Also es gibt sicher welche, die darüber sprechen, oder? | Es gibt sicher welche, die darüber sprechen, oder? |
Teil 4/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 4/8 — Teil 4 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Mega wichtig, wenn ich von Männlichkeit rede, rede ich nicht davon, dass alle Männer gleich sind, sondern dass wir Männer mit den gleichen Glaubenssätzen aufgewachsen sind. | Mega wichtig, wenn ich von Männlichkeit spreche, spreche ich nicht davon, dass alle Männer gleich sind, sondern dass wir Männer mit den gleichen Glaubenssätzen aufgewachsen sind. | |
| 2 | Und diese Glaubenssätze, die sind immer noch hartnäckig dieselben. | Und diese Glaubenssätze sind immer noch hartnäckig dieselben. | |
| 3 | Und was sie uns zurückmelden, natürlich haben sie Freundschaften und die können auch toll sein, aber das reicht nicht halt, zusammen Fussball schauen, zusammen skaten, zusammen Fussball spielen und vielleicht Bier trinken. | Und was sie uns zurückmelden, natürlich haben sie Freundschaften und die können auch toll sein, aber das reicht nicht, zusammen Fußball schauen, zusammen skaten, zusammen Fußball spielen und vielleicht Bier trinken. | |
| 4 | Also du musst auch anfangen über dich reden, über deine Emotionen und auch wissen, wie es deinem besten Freund geht. | Also du musst auch anfangen, über dich zu reden, über deine Emotionen und auch wissen, wie es deinem besten Freund geht. | |
| 5 | Mich fragen häufig, hey, wie ist das denn bei euch in der Freundschaft? Teilt ihr euch mit? | Mich fragen häufig, hey, wie ist das denn bei euch in der Freundschaft? Teilt ihr euch mit? | |
| 6 | Und am Anfang ist es sehr häufig, ja eben, wir haben mega tolle Freundschaften. | Und am Anfang ist es sehr häufig, ja eben, wir haben mega tolle Freundschaften. | |
| 7 | Und wenn man sie dann fragt, habt ihr schon mal einem besten Kollegen erzählt, wie es euch geht, wenn es euch nicht gut geht? | Und wenn man sie dann fragt, habt ihr schon mal einem besten Kollegen erzählt, wie es euch geht, wenn es euch nicht gut geht? | |
| 8 | Und dann ist immer so, ja nein, das mache ich natürlich nicht, wieso sollte ich, wieso sollte ich jemanden damit belasten? | Und dann ist immer so, ja nein, das mache ich natürlich nicht, wieso sollte ich, wieso sollte ich jemanden damit belasten? | |
| 9 | Also das heisst, es ist wieder sehr einsam mit all dem, was ein 15-, 16- 17-Jähriger bewerkstelligen muss, umzugehen. | Also das heißt, es ist wieder sehr einsam mit all dem, was ein 15-, 16-, 17-Jähriger bewerkstelligen muss, umzugehen. | |
| 10 | Ich habe manchmal das Gefühl, die Wörter fehlen auch. | Ich habe manchmal das Gefühl, die Wörter fehlen auch. | |
| 11 | Mega fest, also ihnen fehlen nicht nur die Vorbilder, sondern auch die Wörter. | Mega fest, also ihnen fehlen nicht nur die Vorbilder, sondern auch die Wörter. | |
| 12 | Es wird nicht darüber geredet. | Es wird nicht darüber geredet. | |
| 13 | Sie melden uns sehr häufig zurück, hey, das ist das erste Mal, wo ich darüber geredet habe. | Sie melden uns sehr häufig zurück, hey, das ist das erste Mal, wo ich darüber geredet habe. | |
| 14 | Und welche Wörter sie aber heute mit überkommen, wie man Social Media hat, das ist natürlich all das, was auf TikTok und auf Instagram abgeht oder auf diesen Telegram-Chats. | Und welche Wörter sie aber heute mit überkommen, wie man Social Media hat, das ist natürlich all das, was auf TikTok und auf Instagram abgeht oder auf diesen Telegram-Chats. | |
| 15 | Dort kommen die Wörter rüber, aber das sind nicht die Wörter, glaube ich, die wir als Gesellschaft möchten. | Dort kommen die Wörter rüber, aber das sind nicht die Wörter, glaube ich, die wir als Gesellschaft möchten. | |
| 16 | Ich möchte bei den jungen Männern bleiben, aber ich glaube, man kann ihr Männerbild nicht verstehen, ohne auch zu fragen, welches Frauenbild sie haben. | Ich möchte bei den jungen Männern bleiben, aber ich glaube, man kann ihr Männerbild nicht verstehen, ohne auch zu fragen, welches Frauenbild sie haben. | |
| 17 | Viele junge Männer wachsen heute mit Mädchen auf, die selbstbewusst sind, unabhängig, Grenzen setzen, erfolgreich sind. | Viele junge Männer wachsen heute mit Mädchen auf, die selbstbewusst sind, unabhängig, Grenzen setzen, erfolgreich sind. | |
| 18 | Das ist eine gute, eine wichtige Entwicklung. | Das ist eine gute, eine wichtige Entwicklung. | |
| 19 | Aber was macht das mit den jungen Männern, die selber gar noch nicht wissen, wer sie als Mann sein wollen? | Aber was macht das mit den jungen Männern, die selber gar noch nicht wissen, wer sie als Mann sein wollen? |
Teil 5/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 5/8 — Teil 5 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Familie ernährt. Und trotzdem sagen sie, Hey, ich finde es auch cool, wenn, und dort ist es spannend, sie machen meistens den Bezug zu den Schwestern oder zu den Müttern. | Familie ernährt. Und trotzdem sagen sie: Hey, ich finde es auch cool, wenn, und dort ist es spannend, sie machen meistens den Bezug zu den Schwestern oder zu den Müttern. | |
| 2 | Ich finde es aber auch cool, wenn meine Mutter oder meine Schwester nicht mehr ausgesetzt ist, diesen sexuellen Belästigungen, dieser Gewalt. | Ich finde es aber auch cool, wenn meine Mutter oder meine Schwester nicht mehr sexuellen Belästigungen und dieser Gewalt ausgesetzt ist. | |
| 3 | Und dort versuchen wir mit ihnen zusammen anzuschauen, Hey, das ist, das isoliert nur auf deine Schwester und auf deine Mutter umzusetzen und das in Form von, dass deine Schwester halt nicht einfach in den Ausgang kann, so beschützt du sie, reicht nicht. | Und dort versuchen wir mit ihnen zusammen anzuschauen: Hey, das ist, das isoliert nur auf deine Schwester und auf deine Mutter umzusetzen und das in Form von, dass deine Schwester halt nicht einfach in den Ausgang kann, so beschützt du sie, reicht nicht. | |
| 4 | Wir müssen da hinschauen, wieso musst du sie beschützen? Und dann passiert häufig die Brücke, Aha, ich beschütze sie ja von anderen Männern. | Wir müssen da hinschauen, wieso musst du sie beschützen? Und dann passiert häufig die Brücke: Aha, ich beschütze sie ja von anderen Männern. | |
| 5 | Und es ist okay, wie sie sind. Wir Männer müssen da nachkommen. | Und es ist okay, wie sie sind. Wir Männer müssen da nachkommen. | |
| 6 | Und das ist so die Brücke, die wir versuchen mit ihnen zu schlagen. | Und das ist so die Brücke, die wir versuchen mit ihnen zu schlagen. | |
| 7 | Ihr profitiert auch von diesen Bildern zu arbeiten. Was sicher ist, wir können nicht alle jungen Männer in einen Topf füllen, das ist klar. | Ihr profitiert auch von diesen Bildern zu arbeiten. Was sicher ist, wir können nicht alle jungen Männer in einen Topf füllen, das ist klar. | |
| 8 | Aber es gibt die, die sich orientierungslos fühlen, verunsichert fühlen und dadurch auch Gefahr besteht, dass sie im Internet bei Influencern, bei Foren, dass sie dort einfache Antworten auf ihre Fragen bekommen. | Aber es gibt die, die sich orientierungslos fühlen, verunsichert fühlen und dadurch auch Gefahr besteht, dass sie im Internet bei Influencern, bei Foren, dass sie dort einfache Antworten auf ihre Fragen bekommen. | |
| 9 | Wir sprechen da von Menos 4 und kann bis, was versprechen so Figuren wie Andrew Tate und so weiter im jungen Mann? | Wir sprechen da von Menos 4 und was versprechen so Figuren wie Andrew Tate und so weiter den jungen Männern? | |
| 10 | Warum sind die so attraktiv, gerade für junge Männer? Sie sind so attraktiv, weil sie für sehr berechtigte Fragen, und zwar die Fragen, die junge Männer haben, nach Orientierung, nach Zugehörigkeit, nach dem Gesehensein, dass sie diese Fragen aufnehmen und aber die falschen Antworten geben. | Warum sind die so attraktiv, gerade für junge Männer? Sie sind so attraktiv, weil sie für sehr berechtigte Fragen, und zwar die Fragen, die junge Männer haben, nach Orientierung, nach Zugehörigkeit, nach dem Gesehensein, diese Fragen aufnehmen und aber die falschen Antworten geben. | |
| 11 | Sie mit Wut füttern. Und Wut und starke Emotionen, das tut auch auf Social Media das befeuern, dass die Videos immer weiterkommen, dass es da mehr Likes gibt, dass mehr Leute draufbleiben. | Sie mit Wut füttern. Und Wut und starke Emotionen befeuern auch auf Social Media, dass die Videos immer weiterkommen, dass es mehr Likes gibt, dass mehr Leute draufbleiben. | |
| 12 | Auf Wut reagiert man anders. Und ich glaube, unsere Aufgabe als Fachpersonen, als Erwachsene oder wie auch immer wir uns durch die Welt bewegen, ist, nicht auf diese Wut zu reagieren, sondern mit Verbundenheit, mit ihnen in Beziehung zu gehen, ihnen Kontext anzubieten, ihnen Gespräche anzubieten und Alternativen zu bieten, um die Orientierungslosigkeit oder über die Orientierungslosigkeit reden zu können oder Verbundenheit herstellen zu können. | Auf Wut reagiert man anders. Und ich glaube, unsere Aufgabe als Fachpersonen, als Erwachsene oder wie auch immer wir uns durch die Welt bewegen, ist, nicht auf diese Wut zu reagieren, sondern mit Verbundenheit, mit ihnen in Beziehung zu gehen, ihnen Kontext anzubieten, Gespräche anzubieten und Alternativen zu bieten, um über die Orientierungslosigkeit reden zu können oder Verbundenheit herstellen zu können. | |
| 13 | Aber jetzt ganz konkret, was wird denn angeboten? | Aber jetzt ganz konkret, was wird denn angeboten? | |
| 14 | Also wir haben ja bei SRF drei die Podcast-Serie gehabt, Alpha Boys, junge Männer, die mit ihren Rollenbilderstatus und Unsicherheiten kämpfen. | Also wir haben ja bei SRF drei die Podcast-Serie gehabt, Alpha Boys, junge Männer, die mit ihren Rollenbildern, Status und Unsicherheiten kämpfen. | |
| 15 | Wie nahe ist das an dem, was du in deiner Arbeit erlebst? Das ist mega nah. | Wie nahe ist das an dem, was du in deiner Arbeit erlebst? Das ist mega nah. | |
| 16 | Also die Jugendlichen wachsen mit diesen Glaubenssätzen auf. | Also die Jugendlichen wachsen mit diesen Glaubenssätzen auf. | |
| 17 | Wir bekommen sehr viele Anfragen über, wo es nicht nur auf den Pausenplätzen sichtbar wird, dass die Jugendlichen untereinander so reden, sondern auch in den Schulzimmern. | Wir bekommen sehr viele Anfragen, wo es nicht nur auf den Pausenplätzen sichtbar wird, dass die Jugendlichen untereinander so reden, sondern auch in den Schulzimmern. | |
| 18 | Und es ist mega verlockend, wie es in dieser Podcast-Serie von SRF aufgezeigt worden ist. | Und es ist mega verlockend, wie es in dieser Podcast-Serie von SRF aufgezeigt worden ist. | |
| 19 | Es ist mega verlockend, diesem Ruf nach Geld, Status, Frauen, Autos, jedem nachzugeben und zu sagen, hey, das gibt mega Hoffnung, ich setze jetzt mal darauf und ich stelle jetzt wirklich um 4 Uhr auf und mich ein,abrackern, Frauen herabsetzen, weil ich fühle mich ja schlecht. | Es ist mega verlockend, diesem Ruf nach Geld, Status, Frauen, Autos, nachzugeben und zu sagen: Hey, das gibt mega Hoffnung, ich setze jetzt mal darauf und ich stelle jetzt wirklich um 4 Uhr auf und arbeite hart, Frauen herabsetzen, weil ich fühle mich ja schlecht. | |
| 20 | Das ist ja auch noch das Spannende mit diesem Gefühl, spielen sie ja mega, weil viele Männer sind natürlich auch wie in dem Alter, wie alle Menschen, nach Orientierung am Suchen. | Das ist ja auch noch das Spannende mit diesem Gefühl, sie spielen ja mega, weil viele Männer sind natürlich auch in dem Alter, wie alle Menschen, nach Orientierung am Suchen. | |
| 21 | Und es wird die Frage aufgenommen, du suchst Orientierung? Also die Frauen sind schuld, der Feminismus ist schuld. | Und es wird die Frage aufgenommen: Du suchst Orientierung? Also die Frauen sind schuld, der Feminismus ist schuld. | |
| 22 | Jetzt musst du einfach hart genug an dir arbeiten, lass dich nicht verarschen, dann erreichst du deine Ziele auch. | Jetzt musst du einfach hart genug an dir arbeiten, lass dich nicht verarschen, dann erreichst du deine Ziele auch. | |
| 23 | Und wieder, um dort zurückzukommen, ist, wenn wir nur auf die Jugendlichen zeigen, die die Videos anschauen, dann werden wir unserer Verantwortung nicht wahr. | Und wieder, um dort zurückzukommen: Wenn wir nur auf die Jugendlichen zeigen, die die Videos anschauen, dann werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht. | |
| 24 | Wir vermitteln den Jugendlichen ähnliche Bilder. | Wir vermitteln den Jugendlichen ähnliche Bilder. | |
| 25 | Was Andrew Tate und Menos 4 macht, sie verstärken es noch, sie machen das Business damit, sie machen Geld damit. | Was Andrew Tate und Menos 4 machen, sie verstärken es noch, sie machen damit Business, sie verdienen Geld damit. | |
| 26 | Aber die Jugendlichen wachsen auch schon vorher auf, bevor sie wie TikTok-Bilder aufmachen, Instagram aufwachen, die 5-Jährige hat sicher schon mal gehört, dass ein richtiger Mann nicht weint, dass er seine Emotionen unterdrücken muss. | Aber die Jugendlichen wachsen auch schon vorher auf, bevor sie TikTok-Videos anschauen, Instagram aufmachen, die 5-Jährige hat sicher schon mal gehört, dass ein richtiger Mann nicht weint, dass er seine Emotionen unterdrücken muss. | |
| 27 | Also... Aber ist das mit, dass das alle hören? | Also... Aber ist das so, dass das alle hören? | |
| 28 | Also in meinem Umfeld ist das, habe ich das Gefühl, ist die Männlichkeit anders oder weiter oder weicher? | Also in meinem Umfeld ist das, habe ich das Gefühl, ist die Männlichkeit anders oder weiter oder weicher? | |
| 29 | Das ist mega schön, wenn das bei euch mega ein Thema ist, in deinem Umfeld, und das ist bei mir sicher auch so. | Das ist mega schön, wenn das bei euch mega ein Thema ist, in deinem Umfeld, und das ist bei mir sicher auch so. | |
| 30 | Ich bewege mich in dem Umfeld, wo die Themen viel präsenter sind, als als ich selber 16 war. | Ich bewege mich in dem Umfeld, wo die Themen viel präsenter sind, als ich selbst 16 war. | |
| 31 | Jedoch werden unsere Kinder nicht nur von uns erzogen. | Jedoch werden unsere Kinder nicht nur von uns erzogen. | |
| 32 | Sie wachsen in dieser Gesellschaft auf, sie gehen an einem Hobby nach, sie gehen vielleicht im Fussballclub, sie spielen ein Musikinstrument, sie gehen vielleicht in die Kita. | Sie wachsen in dieser Gesellschaft auf, sie gehen einem Hobby nach, sie gehen vielleicht im Fussballclub, sie spielen ein Musikinstrument, sie gehen vielleicht in die Kita. | |
| 33 | Also die Bilder sind überall rum. | Also die Bilder sind überall herum. | |
| 34 | Und die einfach nur festzumachen an den Eltern, glaube ich, reicht nicht. | Und die einfach nur an den Eltern festzumachen, glaube ich, reicht nicht. | |
| 35 | Wir müssen wirklich flächendeckend auf allen Ebenen anfangen zu arbeiten. | Wir müssen wirklich flächendeckend auf allen Ebenen anfangen zu arbeiten. |
Teil 6/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 6/8 — Teil 6 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Diese Bilder sind überall. Die Glaubenssätze. Also, ich weiss noch, ich war mit allen zusammen, die mit mir, egal ob es im Schach gewesen sind, im Fussball, in der Schule, wir haben das alle gehört. | Diese Bilder sind überall. Die Glaubenssätze. Also, ich weiß noch, ich war mit allen zusammen, die mit mir, egal ob es im Schach gewesen ist, im Fußball, in der Schule, wir haben das alle gehört. | |
| 2 | Und das ist auch das, was uns die Jugendlichen heute sagen. Wir lassen sie immer aufzeichnen, was erwarten sie selber von einem Mann. | Und das ist auch das, was uns die Jugendlichen heute sagen. Wir lassen sie immer aufzeichnen, was erwarten sie selbst von einem Mann. | |
| 3 | Und das sind deckungsgleich wie die Bilder, als ich 16 war. Wir haben schon weit über 100 Workshops gegeben. | Und das sind deckungsgleich wie die Bilder, als ich 16 war. Wir haben schon weit über 100 Workshops gegeben. | |
| 4 | Und das heisst nicht, dass sie daran glauben. Es kann viel nuancierter sein, aber sie hören und sehen das. | Und das heißt nicht, dass sie daran glauben. Es kann viel nuancierter sein, aber sie hören und sehen das. | |
| 5 | Und was sind das ganz genau für Aussagen, die sie dann machen? Also eben, du musst ein starker Mann sein, man darf keine Verletzlichkeit zeigen, man muss erfolgreich sein. | Und was sind das ganz genau für Aussagen, die sie dann machen? Also eben, du musst ein starker Mann sein, man darf keine Verletzlichkeit zeigen, man muss erfolgreich sein. | |
| 6 | Oder was sind das, was du mit 16 erlebt hast und auch jetzt aber immer noch? Ein Mann muss gross sein, muss muskulös sein, muss erfolgreich sein, muss viel Geld gemacht haben, muss ein grosses Auto haben, muss eine Familie haben, muss ein Haus haben. | Oder was sind das, was du mit 16 erlebt hast und auch jetzt aber immer noch? Ein Mann muss groß sein, muss muskulös sein, muss erfolgreich sein, muss viel Geld gemacht haben, muss ein großes Auto haben, muss eine Familie haben, muss ein Haus haben. | |
| 7 | Und ein Mann darf seine Emotionen nicht zeigen, also er muss der starke Anker sein in der Familie, er darf nicht vor seinen Kindern brüllen, er muss seine Kinder beschützen, seine Frau beschützen. | Und ein Mann darf seine Emotionen nicht zeigen, also er muss der starke Anker sein in der Familie, er darf nicht vor seinen Kindern brüllen, er muss seine Kinder beschützen, seine Frau beschützen. | |
| 8 | Et cetera natürlich. Aber das sind die Bilder, die die Jugendlichen mit uns nach wie vor anschauen und denken, das ist erstrebenswert. | Et cetera natürlich. Aber das sind die Bilder, die die Jugendlichen mit uns nach wie vor anschauen und denken, das ist erstrebenswert. | |
| 9 | Und was braucht es denn? Du arbeitest sehr intensiv mit Jugendlichen, auch mit Männern. Was braucht es denn, dass man das auflöst, neben den Vorbildern, den männlichen Vorbildern, die es vielleicht, so wie du es jetzt sagst, noch nicht so gibt? | Und was braucht es denn? Du arbeitest sehr intensiv mit Jugendlichen, auch mit Männern. Was braucht es denn, dass man das auflöst, neben den Vorbildern, den männlichen Vorbildern, die es vielleicht, so wie du es jetzt sagst, noch nicht so gibt? | |
| 10 | Ich glaube, es braucht die Gleichzeitigkeit, dass man die Jugendlichen sieht, dass sie auch betroffen sind von diesen Bildern, und zwar die männlichen Jugendlichen. | Ich glaube, es braucht die Gleichzeitigkeit, dass man die Jugendlichen sieht, dass sie auch betroffen sind von diesen Bildern, und zwar die männlichen Jugendlichen. | |
| 11 | Sie unterstützen mit ihnen zusammenarbeiten und gleichzeitig in die Verantwortung nehmen können, dass nur sie die Veränderung herbeibringen können. | Sie unterstützen mit ihnen zusammenarbeiten und gleichzeitig in die Verantwortung nehmen können, dass nur sie die Veränderung herbeibringen können. | |
| 12 | Dass nur sie künftig andere Alternativen einsetzen können, als die Grenzen von anderen überschreiten und ihre eigenen Grenzen überschreiten. | Dass nur sie künftig andere Alternativen einsetzen können, als die Grenzen von anderen überschreiten und ihre eigenen Grenzen überschreiten. | |
| 13 | Und dort merke ich auch häufig, auch bei uns in der Fachwelt, die Gleichzeitigkeit aushalten, dass das halt wirklich auch Menschen sind, die Grenzen überschreiten. | Und dort merke ich auch häufig, auch bei uns in der Fachwelt, die Gleichzeitigkeit aushalten, dass das halt wirklich auch Menschen sind, die Grenzen überschreiten. | |
| 14 | Dass es mega schwierig ist, wenn da ein sexistischer Spruch kommt. | Dass es mega schwierig ist, wenn da ein sexistischer Spruch kommt. | |
| 15 | Das will ich auch den Frauen sagen, die keinen Bock mehr darauf haben. «Macht das bitte nicht!» | Das will ich auch den Frauen sagen, die keinen Bock mehr darauf haben. «Macht das bitte nicht!» | |
| 16 | Und da nehme ich auch unsere Männer in die Verantwortung. Wir müssen jetzt aufstehen und wir müssen auch merken, wir sind selber betroffen von diesen Glaubenssätzen, dass wir in diese Schublade, in die es so klein ist, hineingehen müssen. | Und da nehme ich auch unsere Männer in die Verantwortung. Wir müssen jetzt aufstehen und wir müssen auch merken, wir sind selber betroffen von diesen Glaubenssätzen, dass wir in diese Schublade, in die es so klein ist, hineingehen müssen. | |
| 17 | Das schaffen wir nicht. Also auch Männer könnten wahnsinnig viel profitieren, oder wenn nicht nur diese eine enge Schublade da ist. | Das schaffen wir nicht. Also auch Männer könnten wahnsinnig viel profitieren, oder wenn nicht nur diese eine enge Schublade da ist. | |
| 18 | Männer könnten mega viel davon profitieren. Ich habe schon mehrmals heute gesagt, wir sind von Gewalt auch betroffen, wir Männer, nicht nur Frauen. | Männer könnten mega viel davon profitieren. Ich habe schon mehrmals heute gesagt, wir sind von Gewalt auch betroffen, wir Männer, nicht nur Frauen. | |
| 19 | Wir sind von Gewalt gegen aussen gegen andere Männer oder gegen uns selber angewendet, aber auch von Gewalt gegen innen betroffen. | Wir sind von Gewalt gegen außen gegen andere Männer oder gegen uns selbst angewendet, aber auch von Gewalt gegen innen betroffen. | |
| 20 | Und ich glaube, wir können alle davon profitieren, wenn wir für die Gleichstellung, für das es allen Menschen gut geht, arbeiten. | Und ich glaube, wir können alle davon profitieren, wenn wir für die Gleichstellung, für das es allen Menschen gut geht, arbeiten. | |
| 21 | Aber definiere das noch ein bisschen genauer mit Gewalt gegen innen. | Aber definiere das noch ein bisschen genauer mit Gewalt gegen innen. | |
| 22 | Gewalt gegen innen ist, wenn wir verlernen, wenn es mir nicht gut geht, dort hinzuschauen, was ist es jetzt, was mir nicht gut tut, und das gegen aussen tragen. | Gewalt gegen innen ist, wenn wir verlernen, wenn es mir nicht gut geht, dort hinzuschauen, was ist es jetzt, was mir nicht gut tut, und das gegen außen tragen. | |
| 23 | Also erstens ist das vielleicht die Partnerin. Nicht umsonst, 80% von häuslicher Gewalt, wird nach wie vor von Männern angewendet. | Also erstens ist das vielleicht die Partnerin. Nicht umsonst, 80% von häuslicher Gewalt, wird nach wie vor von Männern angewendet. | |
| 24 | Wir schlagen dann nicht den Chef auf, wenn wir wütend sind beim Arbeiten, wir gehen nach Hause, haben das Gefühl, zu Hause kann ich vielleicht meine Wut noch rauslassen, meine Frau, und schimpfen die Frau ab. | Wir schlagen dann nicht den Chef auf, wenn wir wütend sind beim Arbeiten, wir gehen nach Hause, haben das Gefühl, zu Hause kann ich vielleicht meine Wut noch rauslassen, meine Frau, und schimpfen die Frau ab. | |
| 25 | Und die Gewalt passiert gegen aussen und auch gegen innen. | Und die Gewalt passiert gegen außen und auch gegen innen. | |
| 26 | Das heisst, wenn ich nicht lerne, mit irgendjemandem über meine Traur zu sprechen, sei das der beste Kollege, sei das meine Partnerin, sei das mein Mitarbeiter, dann werde ich ein anderes Ventil suchen. | Das heißt, wenn ich nicht lerne, mit irgendjemandem über meine Traur zu sprechen, sei das der beste Kollege, sei das meine Partnerin, sei das mein Mitarbeiter, dann werde ich ein anderes Ventil suchen. | |
| 27 | Das kann sein in Substanzkonsum, auch da sind die Männer viel häufiger davon betroffen, das kann sein gegen Gewalt gegen aussen, indem ich vielleicht auch besoffen gehe und schlegle, oder gegen meine Partnerin, gegen meine Kinder. | Das kann sein in Substanzkonsum, auch da sind die Männer viel häufiger davon betroffen, das kann sein gegen Gewalt gegen außen, indem ich vielleicht auch besoffen gehe und schlage, oder gegen meine Partnerin, gegen meine Kinder. | |
| 28 | Das heisst, gegen innen und gegen aussen wenden wir Männer mehr Gewalt an. | Das heißt, gegen innen und gegen außen wenden wir Männer mehr Gewalt an. | |
| 29 | Suizidrate, wenn man da schaut, sind viel häufiger Männer davon betroffen. | Suizidrate, wenn man da schaut, sind viel häufiger Männer davon betroffen. | |
| 30 | Das heisst, das Ventil fehlt. | Das heißt, das Ventil fehlt. | |
| 31 | Ja, das Ventil und ich würde sagen, Handlungsalternativen. | Ja, das Ventil und ich würde sagen, Handlungsalternativen. | |
| 32 | Andere Verhaltensarten, die wir anwenden können. Es gibt viel mehr. | Andere Verhaltensarten, die wir anwenden können. Es gibt viel mehr. | |
| 33 | Wir können darüber reden, wir können uns Unterstützung holen. | Wir können darüber reden, wir können uns Unterstützung holen. | |
| 34 | Aber wir müssen das, diesen Glauben, so habe ich immer gedacht, ich muss alles alleine schaffen, es stimmt nicht. | Aber wir müssen das, diesen Glauben, so habe ich immer gedacht, ich muss alles alleine schaffen, es stimmt nicht. | |
| 35 | Ich kann mir Unterstützung holen. Ich kann meine Eltern fragen. | Ich kann mir Unterstützung holen. Ich kann meine Eltern fragen. | |
| 36 | Wenn ich die nicht fragen kann, kann ich vielleicht meinen besten Kollegen, meine beste Freundin fragen. | Wenn ich die nicht fragen kann, kann ich vielleicht meinen besten Kollegen, meine beste Freundin fragen. | |
| 37 | Vielleicht kann ich sogar eine professionelle Beratung oder eine Therapie. Das ist alles okay und ich bin immer noch ein guter Mann. | Vielleicht kann ich sogar eine professionelle Beratung oder eine Therapie. Das ist alles okay und ich bin immer noch ein guter Mann. | |
| 38 | Aber dort kommt dann häufig die Scham. Das ist dann der nächste Mechanismus. | Aber dort kommt dann häufig die Scham. Das ist dann der nächste Mechanismus. | |
| 39 | Ja nein, dann bin ich ja nicht ein guter Mann oder ein richtiger Mann, wenn ich mir diese Unterstützung hole. | Ja nein, dann bin ich ja nicht ein guter Mann oder ein richtiger Mann, wenn ich mir diese Unterstützung hole. | |
| 40 | Und du arbeitest ja eben auch mit Männern, die Grenzen überschritten haben und gewalttätig geworden sind. | Und du arbeitest ja eben auch mit Männern, die Grenzen überschritten haben und gewalttätig geworden sind. |
Teil 7/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 7/8 — Teil 7 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Was lernst du in dieser Täterarbeit über Männer? Hey, dass diese Arbeit mega wichtig ist. | Was lernst du in dieser Täterarbeit über Männer? Hey, dass diese Arbeit sehr wichtig ist. | |
| 2 | Ich glaube, wir müssen auch diesen Männern zuhören. | Ich glaube, wir müssen auch diesen Männern zuhören. | |
| 3 | Wir arbeiten rückfallpräventiv. | Wir arbeiten rückfallpräventiv. | |
| 4 | Also unser Ziel ist, wenn ein Mann zu mir in die Beratung kommt, dass er nicht wieder Gewalt anwendet. | Also unser Ziel ist, wenn ein Mann zu mir in die Beratung kommt, dass er nicht wieder Gewalt anwendet. | |
| 5 | Und auch dort funktioniert es am besten, oder das glaube ich, funktioniert nur, wenn man Tat und den Mensch auseinanderhalten können. | Und auch dort funktioniert es am besten, oder das glaube ich, funktioniert nur, wenn man Tat und den Menschen auseinanderhalten kann. | |
| 6 | Du als Mensch bist okay. Du bist nicht verantwortlich für alles. | Du als Mensch bist okay. Du bist nicht verantwortlich für alles. | |
| 7 | Aber mit deiner Tat bin ich nicht einverstanden. | Aber mit deiner Tat bin ich nicht einverstanden. | |
| 8 | Und dort müssen wir hinschauen. | Und dort müssen wir hinschauen. | |
| 9 | Und für das muss ich aber zuerst in die Beziehung gehen mit ihm. | Und dafür muss ich aber zuerst in die Beziehung mit ihm gehen. | |
| 10 | Muss er sich wohlfühlen, auch der gewalttätige Mann, der eine ganz schlimme Tat begangen hat. | Muss er sich wohlfühlen, auch der gewalttätige Mann, der eine ganz schlimme Tat begangen hat. | |
| 11 | Auch der muss ich kennenlernen und offen sein für ihn. | Auch den muss ich kennenlernen und offen sein für ihn. | |
| 12 | Und ihm versuchen, diese Zugehörigkeit zugefühlt zu geben. | Und ihm versuchen, dieses Zugehörigkeitsgefühl zu geben. | |
| 13 | Ich bin jetzt für ihn da. | Ich bin jetzt für ihn da. | |
| 14 | Und in einem zweiten Schritt ihm vielleicht Verantwortung nehmen. | Und im zweiten Schritt ihm vielleicht Verantwortung abnehmen. | |
| 15 | Hey, das hast du gemacht. | Hey, das hast du gemacht. | |
| 16 | Und Gewalt kannst nur du künftig verhindern. | Und Gewalt kannst nur du künftig verhindern. | |
| 17 | Und lass uns da zusammen in die Arbeit gehen. | Und lass uns da zusammen an die Arbeit gehen. |
Teil 8/8
Quelle: Wonach sueche jungi Männer? (SRF Focus) — Teil 8/8 — Teil 8 vo 8 (~5 Min) us ere SRF-Sändig. © SRF — nur zum Lärne, s Audio wird nöd im Git gspeicheret.
| # | Dialäkt (Züritüütsch) | Hochdüütsch | ✏️ Korrektur |
|---|---|---|---|
| 1 | Und was dort mega spannend isch, isch, nöd nur isch das Normalität für uns Männer, mir Männer händ au gelernt, weniger guet zuzuhöre und das, was mir erlebe, als Realität z'sehe. | Und was dort mega spannend ist, ist, nicht nur ist das Normalität für uns Männer, wir Männer haben auch gelernt, weniger gut zuzuhören und das, was wir erleben, als Realität zu sehen. | |
| 2 | Das isch auf der eine Seite guet, auf der andere Seite schränkt uns unser Blick das mega fest ein. | Das ist auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite schränkt uns unser Blick das mega fest ein. | |
| 3 | Und au dort cha ich sage, isch der Schlüssel zuzuhöre und sini eigene Realität herausfordere. | Und auch dort kann ich sagen, ist der Schlüssel zuzuhören und seine eigene Realität herauszufordern. | |
| 4 | Und ich ha zum Beispiel spannenderweise vo viele Männer oder au Jugendliche ghört, gerade das Beispiel, das du bracht hesch, hey, ich ha aber au Angst, wenn ich zum Teil alleine nach Hause laufe. | Und ich habe zum Beispiel spannenderweise von vielen Männern oder auch Jugendlichen gehört, gerade das Beispiel, das du gebracht hast, hey, ich habe aber auch Angst, wenn ich zum Teil alleine nach Hause laufe. | |
| 5 | Und das isch berechtigt, das isch okay. Aber dort isch die Frage, vo wem? | Und das ist berechtigt, das ist okay. Aber dort ist die Frage, von wem? | |
| 6 | Mir händ nöd Angst vor Frauen. Mir händ Angst vor Männern. | Wir haben nicht Angst vor Frauen. Wir haben Angst vor Männern. | |
| 7 | Und mir säged nöd, alle Männer sind gewalttätig. Aber mir Männer müend au daran arbeite, dass die Gesellschaft sich verbessert und dort die richtigen Fragen stelle. | Und wir sagen nicht, alle Männer sind gewalttätig. Aber wir Männer müssen auch daran arbeiten, dass die Gesellschaft sich verbessert und dort die richtigen Fragen stellen. | |
| 8 | Wenn du Angst hesch, vo wem? Und wenn du mir jetzt mini Sicht nöd glaubsch, dass ich Angst ha, wieso glaubsch du das nöd? | Wenn du Angst hast, von wem? Und wenn du mir jetzt meine Sicht nicht glaubst, dass ich Angst habe, wieso glaubst du das nicht? | |
| 9 | Weil ja, wahrscheinlich schützt dich so damit ein Kollege, dich selber, din Vater, din Bruder, andere Männer. | Weil ja, wahrscheinlich schützt dich so damit ein Kollege, dich selber, deinen Vater, deinen Bruder, andere Männer. | |
| 10 | Und so versuche ich mit ihnen in den Diskurs z'go mit Perspektivenwechsel. | Und so versuche ich mit ihnen in den Diskurs zu gehen mit Perspektivenwechsel. | |
| 11 | Aber es gaht ja no weiter, au wenn es über die Gewalttaten, also die Veralterung oder au andere Sache, merke ich schon au eine gewisse Abwehr. | Aber es geht ja noch weiter, auch wenn es über die Gewalttaten, also die Veralterung oder auch andere Sachen, merke ich schon auch eine gewisse Abwehr. | |
| 12 | Also es sind nöd alle Männer, chunt ja denn häufig. Das stimmt, es sind definitiv nöd alle Männer. | Also es sind nicht alle Männer, kommt ja dann häufig. Das stimmt, es sind definitiv nicht alle Männer. | |
| 13 | Und das gilt... Es sind ja nöd alle gemeint, wenn man über das rede will. | Und das gilt... Es sind ja nicht alle gemeint, wenn man über das reden will. | |
| 14 | Genau, es sind nöd alle Männer, aber wenn es es sind, sind es vor allem Männer. | Genau, es sind nicht alle Männer, aber wenn es es sind, sind es vor allem Männer. | |
| 15 | Und au da isch es mega wichtig z'säge, das isch die Vergewaltigung, die es gegeben hat, oder die sogenannte Femizide, wo mir notabene letztes Jahr ein Rekordjahr händ. | Und auch da ist es mega wichtig zu sagen, das ist die Vergewaltigung, die es gegeben hat, oder die sogenannte Femizide, wo wir notabene letztes Jahr ein Rekordjahr hatten. | |
| 16 | Das sind die Spitzen vom Eisberg. Mir müend mega fest au dort hinschauen, um die sphärige Gewalt z'verhindere. | Das sind die Spitzen des Eisbergs. Wir müssen mega fest auch dort hinschauen, um die sphärige Gewalt zu verhindern. | |
| 17 | Aber flächendeckend und wirklich nachhaltig chönd mir Gewalt verhindere, wenn mir auf den Basen hinschauen. | Aber flächendeckend und wirklich nachhaltig können wir Gewalt verhindern, wenn wir auf den Basen hinschauen. | |
| 18 | Wenn in meinem Glaubenssatz okay isch, wenn jetzt eine Frau in meinem Freundeskreis auf ihren Körper reduziert wird, wenn mir sexistische Sprüche bringe, dann isch der Schritt nöd weit weg. | Wenn in meinem Glaubenssatz okay ist, wenn jetzt eine Frau in meinem Freundeskreis auf ihren Körper reduziert wird, wenn wir sexistische Sprüche bringen, dann ist der Schritt nicht weit weg. | |
| 19 | Das isch der Nährboden, dass ein sexueller Übergriff au okay isch. | Das ist der Nährboden, dass ein sexueller Übergriff auch okay ist. | |
| 20 | Wenn ich mir das okay gebe, dann isch der Schritt weiter oben nöd mehr so weit weg. | Wenn ich mir das okay gebe, dann ist der Schritt weiter oben nicht mehr so weit weg. | |
| 21 | Aber wenn da scho verhindert wird, wenn da ein Mann anfängt z'säge, hey Jungs, ich finde das jetzt nöd okay, dass du da das sexistische Spruch bringst, dann chönd mir au weiter oben. | Aber wenn da schon verhindert wird, wenn da ein Mann anfängt zu sagen, hey Jungs, ich finde das jetzt nicht okay, dass du da das sexistische Spruch bringst, dann können wir auch weiter oben. | |
| 22 | Dann beginnt die Mitte z'rütteln. Und dann chönd mir au die Spitze von dieser ganz sichtbaren, aber au schlimmen Gewalt verhindere. | Dann beginnt die Mitte zu rütteln. Und dann können wir auch die Spitze von dieser ganz sichtbaren, aber auch schlimmen Gewalt verhindern. | |
| 23 | Also scho ganz früh eingreife. Je früher, desto besser. | Also schon ganz früh eingreifen. Je früher, desto besser. | |
| 24 | Das isch au die Erfahrung, die mir mache. Je jünger Männer mit uns arbeite, desto eher sind sie bereit, mit uns in den Diskurs z'go. | Das ist auch die Erfahrung, die wir machen. Je jünger Männer mit uns arbeiten, desto eher sind sie bereit, mit uns in den Diskurs zu gehen. | |
| 25 | Desto offener sind sie, desto mehr isch die Maske, die wir gelernt händ als Männer, die wir ufsetze, scho fester gesetzt. | Desto offener sind sie, desto mehr ist die Maske, die wir gelernt haben als Männer, die wir aufsetzen, schon fester gesetzt. | |
| 26 | Desto mehr git es alternative Möglichkeiten für sie, wo sie säged, ja, das klingt jetzt au no spannend. | Desto mehr gibt es alternative Möglichkeiten für sie, wo sie sagen, ja, das klingt jetzt auch noch spannend. | |
| 27 | Das klingt für mich au no gewinnbringend. Je älter, desto schwieriger. | Das klingt für mich auch noch gewinnbringend. Je älter, desto schwieriger. | |
| 28 | Um nochmal zum Anfang zurückzukomme, wann isch denn für dich ein Mann ein Mann? | Um nochmal zum Anfang zurückzukommen, wann ist denn für dich ein Mann ein Mann? | |
| 29 | Hey, für mich isch ein Mann ein Mann, der nöd in diese Schublade gaht. | Hey, für mich ist ein Mann ein Mann, der nicht in diese Schublade geht. | |
| 30 | Also das heisst, er darf definitiv au den Versprechen nach einem Sixpack nachjage. | Also das heißt, er darf definitiv auch den Versprechen nach einem Sixpack nachjagen. | |
| 31 | Er darf au versuche, Karriere z'mache. Er darf au diszipliniert si. | Er darf auch versuchen, Karriere zu machen. Er darf auch diszipliniert sein. | |
| 32 | Gleichzeitig muss er aber au zuhören chönne. Muss er sich mitteile chönne. | Gleichzeitig muss er aber auch zuhören können. Muss er sich mitteilen können. | |
| 33 | Muss er sich Unterstützung hole chönne. Muss er sich verhalte chönne. | Muss er sich Unterstützung holen können. Muss er sich verhalten können. | |
| 34 | Also nöd nur die eine Seite, das Extreme, sondern man cha alles si. | Also nicht nur die eine Seite, das Extreme, sondern man kann alles sein. | |
| 35 | Man cha Fussball luege und gleichzeitig, wenn beim Fussball einer einen dummen, sexistischen Spruch macht, Entschuldigung natürlich, dort uns einsetzen. | Man kann Fussball schauen und gleichzeitig, wenn beim Fussball einer einen dummen, sexistischen Spruch macht, Entschuldigung natürlich, dort uns einsetzen. | |
| 36 | Bisch du immer no genau gliich ein Mann. | Bist du immer noch genau gleich ein Mann. | |
| 37 | Also mir chönd alles si. Und für mich isch aber der wichtigste Punkt, mir müend Verantwortung überneh. | Also wir können alles sein. Und für mich ist aber der wichtigste Punkt, wir müssen Verantwortung übernehmen. | |
| 38 | Ich möchte nöd mehr verantwortungslos durch diese Welt herumlaufe. | Ich möchte nicht mehr verantwortungslos durch diese Welt herumlaufen. | |
| 39 | Ich möchte an dieser Veränderung teilha und ich möchte nöd mehr ein Komplize si vo diesen Bildern. | Ich möchte an dieser Veränderung teilhaben und ich möchte nicht mehr ein Komplize sein von diesen Bildern. | |
| 40 | Der Fokus mit dem Kambis Nuri, Co-Leiter der Fachstelle «Oh Boy». Kambis, danke vielmals für den Einblick in dini Arbeit und das Teile vo dine Erfahrungen. | Der Fokus mit dem Kambis Nuri, Co-Leiter der Fachstelle «Oh Boy». Kambis, danke vielmals für den Einblick in deine Arbeit und das Teilen deiner Erfahrungen. | |
| 41 | Hey, danke vielmals für die Gelegenheit, Judith, mit dir über dieses so wichtige Thema z'spreche. | Hey, danke vielmals für die Gelegenheit, Judith, mit dir über dieses so wichtige Thema zu sprechen. | |
| 42 | Und ich glaube, wenn mir da dranbleibe, dann chönd mir es schaffe. | Und ich glaube, wenn wir da dranbleiben, dann können wir es schaffen. | |
| 43 | Au mir, mir Männer, chönd daran arbeite, einen Teil an dieser Arbeit z'mache. | Auch wir, wir Männer, können daran arbeiten, einen Teil an dieser Arbeit zu machen. | |
| 44 | Danke dir vielmals. Und den SRF-Podcast «Alpha Boys», wo mir darüber gredt händ, den verlinke ich euch in den Shownotes. | Danke dir vielmals. Und den SRF-Podcast «Alpha Boys», wo wir darüber gesprochen haben, den verlinke ich euch in den Shownotes. | |
| 45 | Über Feedback und Kritik freue mir uns gerne gerade direkt dort, wo ihr Podcasts hört. Merci fürs Zuhöre und bis bald. | Über Feedback und Kritik freuen wir uns gerne gerade direkt dort, wo ihr Podcasts hört. Merci fürs Zuhören und bis bald. |